Ein Kollege fragt dich in der Pause: „Darf ich ChatGPT eigentlich mit meiner 8. Klasse nutzen?“ Ehrliche Antwort: kommt darauf an. Seit der EU AI Act scharfgeschaltet ist, gelten für KI in der Schule klare Regeln. Und die sind einfacher zu durchschauen, als die 113 Artikel der Verordnung vermuten lassen.

Der Schlüssel ist das Ampel-Prinzip. Die KI-Verordnung, offiziell Verordnung (EU) 2024/1689, teilt alle KI-Systeme in vier Risikostufen ein. Rot, Orange, Gelb, Grün. Wenn du weißt, in welcher Zone ein Tool steht, weißt du auch, was du tun darfst, was du dokumentieren musst und was du besser sofort löschst.

Die KI-Ampel auf einen Blick

Die vier Risikostufen im Unterricht

StufeBeispielStatus
Rot: Unannehmbares RisikoEmotionserkennung, Verhaltens-Scoring von KindernKomplett verboten
Orange: Hohes RisikoAutomatische Benotung, KI-gesteuerte FörderzuweisungErlaubt mit strengen Auflagen
Gelb: Begrenztes RisikoChatGPT, Claude, Bildgeneratoren, TranskriptionErlaubt mit Transparenzpflicht
Grün: Minimales RisikoRechtschreibprüfung, Übersetzer, SpamfilterErlaubt ohne Auflagen

Rot: Was im Klassenzimmer nichts verloren hat

Artikel 5 der KI-Verordnung listet Praktiken, die in der EU seit dem 2. Februar 2025 komplett verboten sind. Drei davon betreffen Schule und Kita direkt:

  • Emotionserkennung in Bildungseinrichtungen. Kameras oder Mikrofone, die erkennen sollen, ob ein Kind konzentriert, frustriert oder gelangweilt ist. Untersagt.
  • Soziales Scoring. KI-Systeme, die Kinder anhand ihres Verhaltens einstufen und davon Zugang zu Angeboten abhängig machen.
  • Manipulative Systeme. Tools, die gezielt Schwächen von Kindern ausnutzen, um sie zu bestimmten Reaktionen zu drängen.

Das ist keine Empfehlung, sondern geltendes Recht. Wenn ein Anbieter dir „motivationale Gesichtsanalyse“ verkaufen will, sag nein.

Orange: Hochrisiko, aber nicht verboten

Artikel 6 regelt Hochrisiko-KI. Im Bildungsbereich fallen drei Anwendungsfelder in diese Zone:

  • Automatisierte Bewertung von Klassenarbeiten, Abiturprüfungen oder Projekten ohne menschliche Prüfung
  • KI-gesteuerte Zuteilung von Förderplätzen oder Aufnahme in Programmen
  • Überwachung von Leistung oder Präsenz durch KI-Systeme im Klassenraum

Verboten sind diese Systeme nicht. Aber sie kommen mit schwerem Gepäck: Risikomanagement, technische Dokumentation, Testprotokolle, menschliche Aufsicht. In der Praxis heißt das, deine Schule entscheidet das nicht in der Kaffeepause. Entweder es gibt ein Team, das die Pflichten trägt, oder ihr bleibt weg von solchen Tools.

Mein Rat: Solange einfachere Alternativen funktionieren, meide die orange Zone. Eine KI darf dir Vorschläge für eine Note liefern. Die Note selbst bleibt bei dir.

Gelb: Hier leben die Tools, die du täglich nutzt

Die meisten Werkzeuge, die im Unterricht landen, gehören in die gelbe Zone. ChatGPT, Claude, Microsoft Copilot, Gemini, Bildgeneratoren, Transkriptionstools. Erlaubt, aber mit einer klaren Pflicht: Transparenz.

Konkret bedeutet das:

  • Wenn du ein Arbeitsblatt mit KI erstellt hast, sag das.
  • Wenn ein Bild in einer Präsentation KI-generiert ist, kennzeichne es.
  • Wenn Schüler mit einem Chatbot arbeiten, müssen sie wissen, dass sie nicht mit einem Menschen reden.

Die DSGVO läuft hier parallel mit. Personenbezogene Daten von Kindern gehören nicht in US-Chatbots, egal wie nützlich sie sind. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt DSGVO-konforme Varianten über unser Tool-Verzeichnis.

Grün: Alles, worüber du nicht mehr nachdenken musst

In die grüne Zone fallen Tools, die längst Teil deiner Routine sind. Rechtschreibprüfung in Word, automatische Übersetzung im Browser, Spamfilter im E-Mail-Postfach, einfache Bildbearbeitung. Keine besonderen Pflichten, keine Dokumentation, keine Transparenzhinweise.

Klingt banal, ist aber wichtig. Du musst nicht jede KI-Funktion problematisieren. Der größte Teil der KI, mit der du täglich zu tun hast, ist schlicht grün.

Was du jetzt konkret tun solltest

Drei Schritte, die dein Kollegium sofort angehen kann:

  1. Liste anlegen. Welche KI-Tools nutzt ihr im Unterricht? Jedes Tool in eine Zone einordnen.
  2. Transparenzregel beschließen. Wie kennzeichnet ihr KI-generierte Inhalte? Ein Satz reicht, Hauptsache einheitlich.
  3. Fortbildung ansetzen. KI-Kompetenz ist seit Februar 2025 Pflicht für alle, die KI im Beruf einsetzen. Unser Online-Kurs deckt das praxisnah ab.

Die Ampel ersetzt nicht den gesunden Menschenverstand. Aber sie macht das Gespräch im Lehrerzimmer deutlich kürzer. Wenn der Kollege das nächste Mal mit einem neuen Tool ankommt, reicht eine Frage: Welche Farbe?